Zähneknirschen

«Knirscher müssen Unannehmlichkeiten nicht hinnehmen.»

   
Lorenza Dahm

Knirschen geschieht unbewusst und meistens nachts. Die Zähne können sich durch die ständige Reibung um mehrere Millimeter verkürzen. Dadurch verändert sich im schlimmsten Falle die Gesichtsoptik, die Zähne können empfindlicher und kariesanfälliger werden. Das alles muss nicht sein, erklärt Dr. Lorenza Dahm, Zahnärztin in der Praxis Zahnärzte Zürich Gartenstrasse.

Interview vom Juni 2011
mit Frau Dr. med. dent Lorenza Dahm

Interview: Sarah Zeller

   

Warum knirschen Menschen mit ihren Zähne?
Das Knirschen dient dem Stressabbau. Gewisse Leute treiben nach einem stressigen Tag Sport, andere wiederum knirschen mit ihren Zähnen, um Stress abzubauen. Das Knirschen geschieht unbewusst und in den allermeisten Fällen nachts. Nur wenige Menschen knirschen auch tagsüber.

Ist Knirschen somit nur eine temporäre Erscheinung?
Tatsächlich gibt es Leute, die nur während einer besonders stressigen Zeit knirschen und dann von selbst wieder aufhören. Andere wiederum behalten diese Angewohnheit bei.

Welche Personengruppen knirschen am häufigsten?
Statistische Angaben dazu sind mir keine bekannt. Grosse Zahnschäden sind allerdings vor allem bei Menschen über 40 festzustellen. In meiner Praxis habe ich zudem viel häufiger mit männlichen als mit weiblichen Knirschern zu tun..

Inwiefern schadet Knirschen den Zähnen?
Knirscht jemand über einen längeren Zeitraum, können dadurch grosse Schäden entstehen. Die Zähne werden immer kürzer und kürzer. Bei gewissen Patienten reduziert sich die Zahnlänge innerhalb weniger Jahre um die Hälfte. In diesem Fall ist auch eine Bisssenkung festzustellen..

Wie genau entsteht diese Bisssenkung?
Der Vorgang ist mit zwei Steinen zu vergleichen, die ständig aufeinander reiben. Die Oberflächen werden durch die Reibung immer flacher, passen sich vollständig an und werden durch die Politur spiegelglatt. Genau das passiert beim Knirschen. Der Schmelzüberzug vom Zahn wird abgenutzt und die Fassetten des Zahns dadurch flach und poliert..

Welche Konsequenzen hat der Bisshöhenverlust?
Zum einen erfolgt eine ästhetische Veränderung der Zähne und des Gesichts, in dem die Nasolabialfalte markanter wird und die Lippen schmäler werden. Das Gesicht wirkt, ähnlich wie bei zahnlosen Menschen, eingefallen und dadurch älter. Zum anderen können die Patienten aufgrund des reduzierten Zahnschmelzes empfindlicher werden. Auch die Anfälligkeit für Karies steigt an..

Knirschen geschieht unbewusst. Wie merkt man also, ob man davon betroffen ist?
Häufig ist es der Partner, der die Knirschgeräusche wahrnimmt. Aber auch der Zahnarzt kann bei der jährlichen Kontrolle problemlos feststellen, ob der Zahnschmelz angegriffen ist.

Können Betroffene etwas dagegen unternehmen?
Eine Nachtschutzschiene ist eine optimale präventive Lösung. Sie bildet eine Art Pufferzone zwischen den Zähnen und verhindert so die Abnutzung der Zähne.