Computergestützte Zahnchirurgie

Der Operateur hat mit Hilfe des Computers eine erweiterte Sicht

   
Lorenza Dahm

Seit längerem können künstliche Zahnwurzeln im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs direkt in den Kieferknochen eingesetzt werden. Auf diesen Implantaten wird später der Zahnersatz befestigt. In jüngster Zeit wurden neue Implantationsverfahren entwickelt, die diesen chirurgischen Eingriff vereinfachen und sicherer für den Patienten machen.

Interview mit Dr. Dr. med. dent. Gert Wittwer, ZZG Zahnärzte Zürich Gartenstrasse
Interview: Sabine Schritt

   

Viele Menschen verlieren im Laufe ihres Lebens einen oder mehrere Zähne. Wann sind Implantate die richtige Wahl als Zahnersatz?
Als Ersatz einzelner Zähne, wenn eine herausnehmbare Prothese nicht erwünscht ist oder wenn eine Brücke aus zahnärztlicher Sicht nicht in Frage kommt. Ein abnehmbarer Zahnersatz kann mithilfe eines Implantates stabilisiert werden.

Welche Voraussetzungen muss ein Patient erfüllen, dass ein Implantat überhaupt in Frage kommt?
Bei den meisten Patienten ist heutzutage eine Implantattherapie möglich. Rauchen kann die Haltbarkeit von Implantaten verringern. Zur Klärung einer Behandlung ist auf jeden Fall eine genaue klinische Untersuchung notwendig.

Wie sieht eine genaue Abklärung aus?
Bei einfachen Implantationen reicht neben einer genauen klinischen Untersuchung ein einfaches Röntgenbild. Bei schwierigen Verhältnissen ist meist eine Computertomographie notwendig.

Welche Implantationsverfahren sind heute üblich?
Neben der herkömmlichen Technik, die sich über viele Jahre gut bewährt hat, bei der nach der Darstellung des Kieferkammes das Implantatbett präpariert und dann das Implantat eingesetzt wird, kommen zwei neue Implantationsverfahren zur Anwendung: Bei der Computer geführten Navigation wird der Kiefer als 3-D Darstellung auf ein Computer übertragen. Dort erfolgt die Planung der Implantatpositionen im Kiefer. Dann wird der Computer mit Hilfe eines Trackersystems mit dem Patienten gekoppelt. Die Implantation erfolgt durch den Operateur unter Führung des Computers.

Das bedeutet, dass der Computer das Implantat steuert?
Ja, genau. Der Vorteil ist, dass der Operateur mit Hilfe des Computers eine erweiterte Sicht des Operationsgebietes hat. Voraussetzung ist aber ein gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen des Operateurs.

In welcher Weise profitiert der Patient von diesem Verfahren?
Das bestehende Knochenangebot kann besser ausgenutzt werden und bedingt durch die erweiterte Sicht ist es nicht mehr notwendig, die Schleimhaut so stark zu eröffnen. Nach dem Eingriff haben die Patienten eine geringere Neigung zur Schwellung, Schmerz und Blutergüssen.

Welches Verfahren gibt es noch?
Bei der Schablonen geführten Implantation werden die Implantate auch am Computer geplant, aber anschliessend wird eine Schablone erstellt, welche entweder bei zahnlosen Patienten direkt auf den Kiefer oder auf die Schleimhaut oder bei teilbezahnten Patienten auf die Restbezahnung aufgesetzt wird. Der Operateur muss sich dann komplett auf die Führung durch die Schablone verlassen, da diese starr Richtung und Tiefe der Implantatbettpräparation vorgibt.

In welchen Fällen wenden Sie die neuen Operationsverfahren an?
Die Computer gestützten Verfahren eignen sich für die Planung und Durchführung von Implantationen bei schwierigen Kieferkammverhältnissen und bei Patienten, die eine erhöhte Blutungsneigung aufweisen. Das Schablonen geführte Implantationsverfahren wurde von der Industrie massiv forciert, obwohl ein sinnvoller Einsatz für einen geübten Implantologen beschränkt ist.

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